▪ Kai Quedens

 

VitaTexteAusstellungen
10.04.1965 Geboren in Wyk auf Föhr
1989 -1995 Studium an der Fachhochschule Hamburg, Fachbereich Gestaltung
1998 Helen Abott Förderpreis für bildende Kunst
Seit 1999 Mitglied im Bundesverband bildender Künstler,Schleswig-Holstein
2008 NDR- Sammlung „Licht und Weite“

 

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„Land schafft Bilder“. Neue Arbeiten von Kai Quedens

Juli – August 2012

Zur Geschichte der Landschaftsmalerei
Das Offensichtliche zuerst: Kai Quedens beschäftigt sich mit Malerei, einem Medium mit langer Tradition. Dabei hat er sich konsequent einem Sujet verschrieben: Der Landschaft.
Die Landschaftsmalerei ist in der Geschichte der Kunst ein Ergebnis jüngerer Entwicklung und erreichte erst seit der Hochrenaissance nach und nach ihre Eigenständigkeit. Je weniger die Landschaftsdarstellung an eine Funktion gebunden war, desto höher wurde ihr Stellenwert innerhalb der Hierarchie der Themen geschätzt, denn anhand der Landschaft fiel der Genius des Künstlers ins Gewicht, hier konnte er seine Schaffenskraft und seine Fertigkeit zeigen. Die Landschaftsmalerei fordert also den „ganzen Maler“.
Gerade als die umgebende Natur ihre Bedrohlichkeit verlor und schließlich selbst bedroht wurde, erfuhr ihre Darstellung im Zuge von Industrielalisierung und Verstädterung einen wahren Boom. Mit der Erfindung der Fotografie verlor sie ihre Aufgabe zu dokumentieren und abzubilden und es kommt gerade hier zu den entscheidenden Innovationen in der Kunst: Bereits mit Gaugin begann der Bruch mit der Tradition und die Absage an die illusionistische Landschaftsmalerei zugunsten der reinen Farbe und Form. Und gerade anhand dieser Thematik findet der Weg in die Gegenstandslosigkeit statt, wie wir beispielsweise bei Kandinsky beobachten können.
Wenn die Natur selbst zum Thema wird und Funktionalität, Botschaft, Codierung zurück stehen, feiert die Landschaftsmalerei die Kunst an sich und mit ihr das subjektive Erleben des Künstlers, seine persönliche Sehweise, seine Erfahrung mit der dargestellten Umgebung. Das setzt genaue Beobachtung voraus und einen definierten Standpunkt zu dem, was ihm daran für die Umsetzung ins Bild wichtig ist. Es kommt auch darauf an, ob der Künstler das abbilden will, was ihn schon lange umgibt oder ob er Orte schildern will, die er bereist hat.

Der Friese Kai Quedens hat sich konsequent dem Sujet der Landschaft verschrieben. Das Zitat des berühmten französischen Malers Courbet könnte auch von ihm stammen: „Ein Maler muss die Landschaft kennen, die er malt. Ich kenne meine Heimat und ich male sie.“ Diese Äußerung postuliert ein Landschaftsverständnis, das sich auf ein verinnerlichtes Empfinden des Gesehenen richtet und der Malerei von Reiseeindrücken entgegensetzt, die mehr auf eine Momentaufnahme und den zufälligen Eindruck von Besonderheiten abhebt. Die enge Verwurzelung von Quedens mit der von ihm gemalten Umgebung wird schon durch die friesische Betitelung deutlich. „Landschaft ist mir am präsentesten, ich könnte sofort ein Bild malen, ich habe immer eines im Kopf. Ich komme aus einem engen Raum mit weitem Himmel. Landschaft hat mich früh fasziniert, es war mir ein Anreiz, sie in Form zu bringen, Elemente zusammenzufügen“, so Quedens. Der Fundus, aus dem er schöpft, scheint ihm unbegrenzt, seine Beobachtungen und deren Umsetzung kommen nie zum Stillstand. Dabei will der Künstler nichts Philosophisches, nichts idealisierend Werbendes transportieren. Er betreibt vielmehr Grundlagenforschung am Medium Bild.
Seine Malerei ist das Ergebnis vieler Seherlebnisse der nordischen Landschaft und Atmosphäre, die sich unter unterschiedlichen Licht-und Wetterverhältnissen ständig wandeln.
Er charakterisiert und vereinfacht, d.h. er subsumiert typische Merkmale der landschaftlichen Wirklichkeit, um dabei das Wesentliche zu betonen: Topographisch genau sollen seine Darstellungen nicht sein, das ist offensichtlich, deshalb ist er auch kein Heimatmaler, er richtet seinen Blick nicht aufs Detail. Quedens künstlerisches Anliegen geht über eine werbende oder gar sentimentale Schilderung weit hinaus. Indem er Kleinteiliges erspart, schärft er unsere visuelle Neugier.
Der Künstler experimentiert mit dem Horizont, setzt Bildflächen ins Verhältnis und findet zu einer auf das Essentielle konzentrierten Formsprache. Voraussetzung für die Vereinfachung ist die genaue Kenntnis der dargestellten Umgebung, denn man muss alles mit dem Sinn erfasst haben, um das Typische herauszustellen.
Der Norden macht es dem Maler nicht leicht. Im Gegensatz zum hellen Licht des Südens mit vergleichsweise idealen, konstanten Wetterbedingungen, fordert der Norden, sei es Amrum, die Bretagne, die Elbmarsch oder die etwas lieblicher anmutende Ostseeküste, eingehende Beschäftigung, um die wechselnden Stimmungen, Jahreszeiten und spezifischen klimatischen Bedingungen erfassen zu können. Friesland ist kein Arkadien, ist nicht gefällig, süß und kein Ort, an dem das dolce far niente erfunden wurde und das somit zur freundlichen, ja idealisierenden Darstellung einlädt. Der Norden aber bietet den Facettenreichtum, den Quedens in eindeutigen Formen und Farben schildert. Die landschaftlichen Gegenstände löst er zu großen Farbflächen auf und betont das fließend Lineare mit breitem, kräftigen Pinselduktus – für die Übersetzung der Weite des Nordens die adäquate Form. Durch die formale Reduktion transportiert er das, was er für die Landschaft und ihre Atmosphäre für besonders aussagekräftig hält. Er zeigt das Wesen der Landschaft, indem er sich auf das Wesentliche beschränkt.

Quedens zeigt das Konzentrat seiner Eindrücke in wohl durchdachter Komposition. Seine Bilder entstehen keineswegs schnell und sie sind nicht allein der Intuition unterworfen. Quedens glaubt nicht an den flüchtigen Kuss der Muse, sondern verarbeitet in einem langen Prozess, auch an mehreren Objekten gleichzeitig, vor Ort entstandene Skizzen und kleine Aquarelle, aber auch Bilder aus der Phantasie. Er malt konsequent jeden Tag und überarbeitet das erste Ergebnis oft mehrfach. Das von ihm gewählte Malmittel, Eitempera, kommt dieser Arbeitsweise entgegen: Pigmente werden in einer Emulsion aus Ei und Leinöl gemischt. Es trocknet schnell und lässt Übermalungen zu, was sowohl ein spontanes Notat wie auch eine prozessuale Arbeitsweise ermöglicht. Farbe ist bei Quedens primärer Bildfaktor, seine Palette leuchtet und gleichzeitig wirkt die Bildoberfläche stumpf. Sie entwickelt ihre besondere Kraft durch den flächigen Bildaufbau und ist über die Wirklichkeit der Natur hinaus gesteigert.
Bemerkenswert bei der Betrachtung der Bilder von K.Q. ist das Fehlen von Personen als Handlungsträger. Schließlich handelt es sich bei den ihn inspirierenden Orten um Freizeitparadiese, die von Urlaubern und deren Bedürfnissen geprägt sind. Die Spuren menschlicher Existenz in Form von Häusern oder Schiffen sind jedoch die Ausnahme und bieten eher formalen als inhaltlichen Anreiz, denn Quedens will keine Lektion über das Verhältnis Mensch/Natur erteilen. Es liegt ihm weder an der Darstellung einer paradiesischen Symbiose noch will er die desaströse Entfremdung zeigen.
Es legt den Betrachter nicht fest, aber es macht ein Angebot: Das Angebot der Kontemplation. Heute fehlt oftmals die Zeit für eingehende Naturbetrachtung, der Tourist hat das eingehende Schauen verlernt. Zur Ruhe zu kommen, als Voraussetzung für das Versinken und die Bereitschaft zur Beschaulichkeit, zur Gelassenheit fallen der Hektik zum Opfer. Dennoch wird Landschaft noch immer als Träger von Stimmungen begriffen, Natur als Medium der Offenbarung. So ist die künstlerische Suche nach den Urkräften besonders wichtig.
Quedens beobachtet sie genau und fügt wiederkehrende Phänomene zu einer Einheit im Bild.
Schließlich bleibt die Versuchung der Kategorisierung. Stilistische Einordnung ist jedoch eng an die Bildaussage geknüpft. So kann Quedens Malerei aufgrund ihrer starken Farbigkeit und der Betonung der Fläche als expressiv, ausdrucksstark, bezeichnet werden. Expressionistisch ist sie jedoch nicht, denn es fehlen das Postulat der Einheit von Mensch und Natur und der dramatische Ausdruck von Innenschau. Der Versuch der Schubladenfindung untergräbt das Individuelle und führt schnell zu herbeigesuchten Vergleichen. Bei Kai Quedens Malerei sollten wir uns vielmehr darauf einlassen, zu entdecken, was ein Bild ist.

Viola Stohwasser-Gerdsen, April 2012

2015        Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg (mit Katalog)

2013        Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg

2011         Kunstverein Rotenburg/ Wümme

2010        Galerie „S“, Schleswig (Ausstellungsbeteiligung)

2009        Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg

2008        Kunstverein Elmshorn (mit Katalog)

2008         Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg

2006         Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg

2005         Heimatmuseum Nebel, Amrum

2005         Galerie Magnus Gerdsen, Hamburg

2004         Galerie Schwedenkate, Eutin

2003         Ost-Holstein Museum, Eutin

2002         Dithmarscher Landesmuseum (Ausstellungsbeteiligung)

1999         Schleswig-Hosteinisches Landesmuseum, Kloster Cismar

1998         Galerie „Auf Norwegen“, Tönning

1997         Heimatmuseum Nebel, Amrum

1991         Viking Galerie/ Norddorf, Amrum

1989         Verlag Boyens & Co/ Heide, Holstein

1989         Heimatmuseum Nebel, Amrum (Ausstellungsbeteiligung)