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Unsere Leihgaben im MKG „Gegen die Unsichtbarkeit“

 
Das Museum für Kunst und Gewerbe eröffnete am 16. Mai die Antrittsausstellung der neuen Direktorin Prof. Tulga Beyerle.
 
„Gegen die Unsichtbarkeit – Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938“ 
 
In dieser Schau, die Frauen in einem für diesen Zeitraum ungewöhnlichen Berufsfeld beleuchtet, werden auch Arbeiten meiner Großmutter Elisabeth Bertsch-Kampferseck (München 1902-1978 Murnau) gezeigt. 
 
 
 
Frauen spielten vor der Weimarer Republik weder in der angewandten noch in der bildenden Kunst eine Rolle, zumal sie nur in Ausnahmefällen Zugang zu den künstlerischen Ausbildungsstätten fanden. Im Fall von Lisl Bertsch ist es daher umso überraschender, dass sie schon zu Beginn der 1920er Jahren im gestalterischen Bereich erfolgreich und Männern beruflich absolut gleich berechtigt war, was sie für sich selbst auch nie in Frage stellte.    
 
 
 
Zunächst arbeitete Lisl Bertsch-Kampferseck eng mit ihrem Mann zusammen. Er war Mitbegründer der Deutschen Werkstätten und führte mit diesem Reform orientierten Unternehmen das Wohndesign in die Moderne. Sie stattete seine Großprojekte wie die Einrichtung eines Passagierschiffes der Hapag Lloyd mit textilen Entwürfen aus. 
 
Stoffentwurf von Elisabeth Bertsch-Kampferseck

Als frühe Witwe musste sie auch während des zweiten Weltkrieges mit dem Beruf der Entwerferin für sich und ihre Tochter sorgen. Dabei war sie trotz ihrer kritischen Einstellung zur NS Diktatur in der Lage, große Projekte zu akquirieren und selbständig durchzuführen. Exemplarisch für diese Art von Aufträgen ist die Ausstattung eines doppelstöckigen Zuges oder eines Kurhotels. Sie arbeitete bis in die 1960er Jahre auch für andere Unternehmen als die Deutschen Werkstätten und machte sich besonders bezüglich ihrer Entwürfe für Wohntextilien und Teppiche einen Namen.
 
Meine Großmutter war nicht zuletzt durch die Eigenständigkeit im Beruf eine eindrucksvolle, couragierte Persönlichkeit, die es durch ihre Professionalität und ihren Arbeitseifer zu Anerkennung und wirtschaftlichem Erfolg in einem kreativen Bereich gebracht hat.  
 
 
Ausstellungsarchitektur-und Didaktik liefern verschiedene Perspektiven des reformierten, neuen Wohnens und der Rolle von Frauen in einem nicht nur künstlerisch, sondern auch technisch anspruchsvollen Beruf. 
 
Wir empfehlen den Besuch der Ausstellung „Gegen die Unsichtbarkeit“ und das Video gleichen Titels auf YouTube, weil es sich um ein interessantes Forschungsprojekt handelt, das einen historisch bewegten Zeitausschnitt aus einer interessanten Perspektive beleuchtet.
 

Vorherige Ausstellungen:

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