Gretchen Wohlwill (1878-1962)
„Krankes Kind“, Porträt Hans- Emil Wohlwill, 1927/28
Oelgemälde auf festem Malkarton
ca. 52 x 45 cm
signiert unten rechts
Rückseitig ist es nochmals signiert, betitelt und bezeichnet: „unverkäuflich“; weiterhin von fremder Hand eine Nummer in blauer Wachskreide, die auf eine Versendung hinweist.
Das Bild ist mit einer alten „Sezessionsleiste“ gerahmt.
Das Gemälde dokumentiert den Weg der Künstlerin in die Emigration und ihre Rückkehr nach Deutschland: Wohlwill vermerkte ihre zwei Hamburger Adressen vor dem zweiten Weltkrieg („Mittelweg 10“ und „Flemingstrasse 3“, ihr Umzug erfolgte 1927; die Angabe beider Adressen lässt folglich eine Feindatierung zu), und - entscheidend - ihre Adresse nach der Rückkehr (1952) aus dem Exil („Brahmsallee 33, 14. St - rechts“) auf der Rückseite. Diese Notizen lassen den Schluss zu, dass die Arbeit die Künstlerin in die Emigration begleitet hat.
Die Darstellung zeigt ein Porträt des Neffen der Malerin. Der leuchtend rote Apfel signalisiert nicht nur, dass sich das Kind auf dem Wege der Besserung befindet, sondert ist auch - als Mittel der Rezeption- Ausdruck für die Bewunderung Wohlwills für Cezanne.
Das Bild war 1928 in der Ausstellung „Junge Hamburger Kunst“ der Galerie Neumann und Nierendorf, Berlin, ausgestellt. Der Kaufpreis von 500 Reichsmark ist von ihr ebenfalls rückseitig vermerkt. Später dann überklebt die Künstlerin diesen Preis mit dem Zettel „unverkäuflich“. Die Kunstzeitschrift „Der Kreis“ berichtete in Heft 11 des Jahres 1928 über diese Ausstellung und bildete das Gemälde auf Seite 664 ganzseitig ab. Bruhns führt diese Arbeit in ihrem Werkverzeichnis (Bruhns, Maike: G.W. Eine jüdische Malerin der Hamburgischen Sezession, Hmbg. o.J.) unter der Nummer 112 in der Gruppe der verschollenen Bilder als „Verbleib unbekannt“.
Uns ist es gelungen das Gemälde aus Privatbesitz zu erwerben.
|